Samstag, 3. Mai 2008  

Der morgendliche Abschied von der freundlich anheimelnden Umgebung unseres Stammlokals in Märkisch Buchholz/Köthen stimmt uns angesichts der nunmehr unmittelbar bevorstehenden Heimkehr nach Berlin etwas wehmütig, denn die noch zu rudernde Strecke von der RG Wiking bis zum eigenen Bootshaus wird wohl allgemein eher als normale Tagesruderstrecke denn als Abschlussetappe einer einwöchigen Wanderfahrt gefühlt und somit scheint der Abschied schon auf die Abfahrt von Köthen in den Autos vorverlegt.

Leicht nieselnder Regen aus dem Frühnebel empfängt uns bei unserer Ankunft in Neukölln und trägt dazu bei, sich nach den schönen, abwechslungsreichen Tagen wieder im Alltag angekommen zu fühlen. Die heutige Fahrtroute ist dementsprechend schnell festgelegt: die Spree durch „Mitte“ ist heute wahrscheinlich für uns gesperrt, die Strecke über den Teltowkanal zu langweilig, also bleibt nur die über den Neuköllner Schifffahrtskanal, den Landwehrkanal und die Spree zur Havel übrig, die noch den Vorzug hat, die kürzeste zu sein.- Am Wiking-Bootshaus treffen wir zu einer ungewohnt betriebslosen Zeit ein, aber es wird uns prompt aufgeschlossen, und schnell sind die beiden Boote im Wasser, besetzt und in Bewegung gebracht, auch das Nieseln hört langsam auf und die Fahrt wird Schlag für Schlag schwungvoller, jedoch jäh gestoppt vor der automatischen Schleuse Neukölln, die wieder einmal „Störung“ anzeigt und sich nicht bewegen will. Wir wissen aber aus (böser) Erfahrung, dass es sich hierbei wahrscheinlich um eine Taktstörung im Programmablauf der Schleusung handelt, die man nicht von den Betätigungshebeln der Anlegestellen vor den Schleusentoren aus beheben kann, wohl aber von den entsprechenden Hebeln unmittelbar am Rand der Schleusenkammer, und so können wir uns hier relativ rasch selbst helfen, was bei der normalerweise nicht funktionierenden Notrufeinrichtung sowieso die einzige Möglichkeit ist. Inzwischen ist es wettermäßig  auch noch deutlich besser geworden und bald sind wir auf dem Landwehrkanal flott in Richtung Urban-Hafen unterwegs, wo wir eine Zwischenpause vorgesehen hatten, jedoch ist die allgemeine Stimmung nur nach einem kurzen „Ruder halt!“ und die Rast wird auf die geplante Mittagspause vor der Schleuse Tiergarten verlegt. Wie üblich müssen wir uns im Weiteren den Weg durch Hunderte  von Schwänen bahnen, und es ist wiederum erstaunlich, dass hier – wie auch sonst – bisher auf beiden Seiten noch keine Verletzten zu beklagen sind. Nach einiger Suche (es ist ja Wochenendbetrieb bei schönem Wetter im Tiergarten) finden wir unseren getreuen Klaus mit dem Versorgungswagen an der Spanischen Botschaft im Grünen und picknicken dort mit Siegessäulen-Ausblick und vielen vielen Passanten. Die anschließende Schleusung ist angesichts der ebenfalls sehr zahlreichen Ausflugsschiffe mit langem Warten verbunden aber danach befreien wir uns recht zügig aus dem Pulk und erreichen mir-nichts – Dir-nichts die Spree und dann die Schleuse Charlottenburg, wo man uns bedeutet, Geduld zu haben mit einigen Sportbooten, die gerade herauf geschleust würden (sehen kann man da ja gar nichts!). Nach dieser erzwungenen aber erholsamen Pause geht es dann ohne Besonderheiten zügig bis zur Haveleinmündung und weiter zum heimatlichen Bootshaus.

Dort erwartet uns Bootswart Detlef in großer Spannung in Bezug auf die Nachhaltigkeit seiner umfänglichen winterlichen Reparaturarbeiten an der Mygg. Wir können ihm hier noch einmal das große Lob und die Anerkennung Aller wiederholen:  es hat sich alles bestens bewährt, und wir sind überaus glücklich, ihm das Bootsmaterial unbeschädigt zurück gebracht zuhaben und dazu die Erfahrung dieser Wanderfahrt, dass die Mygg im direkten Vergleich mit der Sigyn – obgleich schwerer – offensichtlich das schneller laufende Boot ist.

Abschließend werden die beiden Boote routiniert gesäubert und verstaut, während Hans, unser bewährter Fahrtenkassen-Hüter, hoch konzentriert dafür sorgt, dass jeder Fahrtteilnehmer rasch endgültig präzise erleichtert nach Hause zurückkehren kann – scheinbar wie nach einem üblichen, ganz normalen Rudertag, als wäre nichts gewesen.-

Doch in Wahrheit ist es der ruhig-zufriedene Ausklang einer problemfreien, harmonischen und sportlichen Ruderwoche der positiv erinnerungswürdigen Art und der Dank der diesmal Aktiven gilt ganz besonders denen, die zwar intensiv mitgewirkt haben aber nicht dabei sein konnten!