Donnerstag, 1. Mai 2008  

Völlig unerwartet kam ich in diesem Jahr zum Posten des Fahrtenleiters. Der Ruf erreichte mich auf Mallorca, wenige Tage vor meinem Abflug nach Berlin. Die bewährten Männer waren ausgefallen. Und das mir, der ich lieber über die Entscheidungen und Anweisungen anderer meckere, als dass ich diese treffe oder erteile! Dazu das quasi stenografische Rohkonzept einer Wanderruderfahrt – erstellt von unserem Profi Manne – nebst diverser von Bernd mit spitzen Fingern überreichter Wasserwanderkarten; zwei Tage vor dem Start! Hierzu muss man wissen, Kartenlesen gehört nicht gerade zu meinen stärksten Disziplinen. So hat mir bisher noch niemand vernünftig erklären können, warum man auf Autobahnen laut Karte rechts herausfahren muss, wenn man nach links abbiegen will. Von überflüssigen Zuschriften in diesem Zusammenhang bitte ich abzusehen! Im Rohkonzept stand z.B. „Mittag Friedrichsh.RV“. Schön und gut, aber wo ist der? Vermutlich in Friedrichshagen. Da kamen wir aber nach dem Fahrtenkonzept gar nicht hin.

Und dann die Teilnehmerzahl: Acht Personen, davon Klaus als permanenter Landdienst, und dazu zwei Dreier ohne Steuermann oder alternativ zwei Zweier mit. Geworden sind es durchgängig zwei Zweier mit Steuermann, obwohl  die mitgeführte Ausrüstung auch ersteres zugelassen hätte. Wir sind halt nicht jünger geworden und da freut man sich ab und zu über den Druckposten des Steuermanns. Druckposten ist dabei wörtlich zu nehmen. Die Mitnahme von zwei Paar Reservequirlen stellte sich im Nachhinein als übertrieben heraus. Die Zeiten, wo ARG- Ruderer durch die Kraft ihres Armzuges Quirle zum Brechen bringen, gehören der Geschichte an. Die Bootseinteilung wurde durch die vorgegebenen Ressourcen  relativ einfach, zumal nachdem ich durch Sturz sowohl als Ruderer als auch als Steuermann ausfiel. Sechs Ruderer waren von da ab verdammt, die Boote heil nach Berlin zu bringen.

Und noch ein Wort zum Quartier: Die Adresse war präzise vorgegeben, Märkisch Buchholz, Ortsteil Köthen, Dorfstraße 23. Geworden ist es dann die umgebaute Schule von Köthen in der Dorfstraße 33. Hingefunden haben wir trotzdem, man ist ja schließlich Berliner. Meine vorab vorgenommene präzise durchdachte Zimmereinteilung wurde als erstes über den Haufen geworfen. Einer verwies auf Raucherallergie, ein Anderer darauf, dass der ihm zugeteilte Zimmergenosse nachts immer haue; natürlich unzumutbar! Man fragt sich nur, warum tut der das? War da etwa Schnarchen im Spiel? Aufgrund meiner brillanten Führungstechnik entschied ich somit: Macht doch, was ihr wollt! Und so geschah es, und alle waren offensichtlich zufrieden.

Gerudert habe ich nur bis zum 29.4., danach fiel ich aus – siehe oben. Über die Fahrt des heutigen Tages von Philadelphia über Ruderverein Prieros, Schleuse Neue Mühle zum Ruderverein Wildau mit schlecht geplanten Etappen von 13, 16 und 4 Km müsste eigentlich ein anderer berichten. Nur soviel sei angemerkt: Gestartet wurde zwangsläufig in Philadelphia, dem Etappenziel des Vortages, der erste Wechsel  fand planmäßig nach 13 Km in Prieros statt, das Mittagessen dagegen wurde am Ausgang des Dolgensees bei Gussow eingenommen und somit nach weiteren 4 Km. Neues Ziel war ein Ruderverein bei Königswusterhausen, gleich hinter der Schleuse Neue Mühle. Zwei Schleusen haben die Mannschaften  unbeschadet überstanden und das, obwohl ich nicht dabei war; erfreulich! Vormittags leichter Regen, der aber vom Landdienst schlimmer eingestuft wurde als von den Ruderern. Im Übrigen  kann hier nur das hohe Lied gesungen werden von den Mühen und Plagen eines Landdienstes, der stundenlang an vorgesehenen Landeplätzen ausharrt, voller Sorge, ob die geplagten Ruderer es bis dahin schaffen oder vorher erschöpft zusammenbrechen. Handykontakte waren zwar vereinbart, funktionierten aber häufig nicht. Wen wundert es, dass den Landdienst gelegentlich die Sorgen zu Boden drückten. Und just in solch einem Moment passierte es dann, dass die Boote ungesehen am Landeplatz vorbeihuschten, einige Kilometer übers Ziel hinausschossen und erst dann telefonisch anfragten, wo wir denn geblieben seien. Nur das erhoffte Mittagessen konnte sie zurückholen. Leicht knurrig, wenn auch erstaunlich diszipliniert entstiegen die Ruderer den Booten. Einer allerdings zeigte zwischen Daumen und Zeigefinger die minimale Distanz an, die verblieben war bis zum Ausbruch einer Meuterei. Nach üblicher Brötchen-, Obst- und Kuchenmast waren alle wieder friedlich. So sind sie eben, die Ruderer, ordentlich was zu futtern und eine kleine Runde relaxen und schon steigen sie erneut willig in die Boote.

Und jetzt ein kleines Zwischenfazit: Bei guter Vorplanung  ist Fahrtenleitung vielleicht nicht schwer, doch erstens kommt es oft anders und zweitens als man denkt. Auch bewahrheitete sich erneut mein altes Credo: Maximale Zufriedenheit ist nicht erreichbar, nur Minimierung der Unzufriedenheit. Im Übrigen aber haben wir uns wieder einmal gut unterhalten, viel gelacht und manches Bier vernichtet. Die Gaststätte in Köthen und ihre tüchtige Wirtin trugen zu unserem Wohlbefinden bei. Daselbst fanden wir abends diverse Herrentagsritter vor, die uns um einige Bierlängen voraus waren. Wir überließen ihnen das Kneipenfeld. Abends erschien Jörg als Ablösung für mich. Dank sei ihm! So konnte ich mich am Freitag vorzeitig nach Berlin verabschieden um daselbst meine Wehwehchen zu pflegen und mich auf meine nächste, unmittelbar bevorstehende Reise vorzubereiten. Am Freitag früh wünschten mir alle eine gute Heimreise und waren auch sonst recht nett zu mir. Erstaunlich! Nur, ob ich in Zukunft noch unbeschwert meckern kann, wenn unsere Profifahrtenleiter wieder die Leitung innehaben, bleibt abzuwarten. Schade wär`s schon, wenn ich dies lassen müsste.