Mittwoch, 30. April 2008  

 

Als um 7.30 Uhr der Wecker klingelte, war Gerd Weber schon im Bad fast fertig, also Zeit genug, um dem neuen Tag in aller Ruhe ins Wolkengeflecht  zu schauen. In der Nacht hatte es leicht geregnet, der Himmel war bedeckt, die vom Vortag geschundenen Knochen konnten erholt einer weiteren Ruderstrecke anvertraut werden.

Fünf vor neun Uhr versammelten sich die ersten Frühstückshungrigen vor dem gegenüberliegenden Kühn`s Gasthaus „Zum Köthener See“ -wie jeden Morgen-, um staunend ein speziell lokales Phänomen über sich ergehen zu lassen: wohlgenährte dicke Mücken stürzten sich –trotz der morgendlich frischen Untertemperatur- auf die gerade gewaschenen Körper der Ruderer und durchstachen die wenigstens von außen gereinigten Blutbahnen  solange,  bis die Frau Wirtin die Tür zum Büffet aufschloss.

Beim Kaffee verkündete unser Fahrtenleiter Bernd Wittjen die Boots- und Landeinteilung für die anstehende Etappe.

In der Sigyn sollten Axel von Starck, Gerd Weber und Frieder Busch fahren, in der Mügg Hans Jäh, Manfred Scheer und Helmut Zwirtz.

Der Landdienst, Klaus Böhlke und Berndt Wittchen, brachte uns mit den Autos zum Ausgangspunkt der Ruderfahrt nach Prieros an der Dahme, wo wir unsere gestern zurück gelassenen Boote unberührt vorfanden.

Inzwischen klarte der Himmel auf wir ruderten ein Stück die Dahme entlang und bogen in den Langen See  ein, der spiegelglatt vor uns im Sonnenschein lag. Wir querten den See, fanden die Durchfahrt zum Wolziger See, vorbei an Blossin und an Wolzig zum Storkower Kanal, der in diesem Bereich rechts und links von naturbelassenem Stangenwald eingesäumt wurde. So ging es bis Kummersdorf.

Direkt dahinter erreichten wir die erste Schleuse des Tages. Nach Stutgarten und das von vorhergehenden Ruderfahrten bekannte Philadelphia erreichten wir wieder den Storkower Kanal. Weiter  ging es bis zum Naturschutzgebiet gegenüber vom Türkenberg. Hier mussten wir anlegen. Es schien  ein geeigneter Ort zu sein  für das, was uns der morgendliche Kaffee aufzwang. Ganz menschenleer war es dann doch nicht. Es erschien eine Profianglerin mittleren Alters, die von Hans Jäh über ihr Anglerglück  ausgefragt wurde. Sie verabschiedete uns mit einer genauen positiven Wetterprognose, die dann auch zutraf.

Bei Storkow passierten wir eine weitere Schleuse und gelangten in den Großen Storkower See, der mit einem Wettrudern der beiden Boote durchmessen wurde.

Der Landdienst machte eine Badestelle bei Dahmsdorf  als Mittagsrastplatz ausfindig und gab als Erkennungszeichen per Handy durch: gegenüber ist ein gelber Turm mit Zwiebelaufsatz, wir können das Fundament sehen...

Vom Boot aus konnten wir beides, Turm und Fundament, über viele Kilometer sehen, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als das Ufer abzufahren. Bald hörten wir auch den wohlbekannten Ruf unseres Landdienstes, er war also nicht im Auto eingeschlafen und ließ uns auch nicht stillschweigend vorbeifahren.  Wir sahen ihn winken –vom Wasser aus so klein, wie das Schwenken der Vorderbeine einer mittleren Blattlaus.

Das Landemanöver am Naturstrand war nicht einfach. Axel zog sich kurzerhand die Schuhe aus und stieg vom Boot aus in den eiskalten See.

Danach schmeckten Schrippen und Belag, Kekse und Kuchen besonders gut, denn es war inzwischen schon 14 Uhr. Nach der Pause ging die Fahrt zurück über den Storkower See zur Storkower Schleuse. Wir bedienten die Automatik und fuhren ein. Hinter uns setzte sich ein großes, breites Motorschiff. Das Schiff füllte die Schleusenkammer wie ein Pfropf aus. Die Sigyn-Mannschaft hatte der Ehrgeiz, dieses Motorboot bis zum Zielpunkt des Tages nicht mehr vor zu lassen. Die Skulls wurden kräftig durchgezogen und das Vorhaben gelang.

Wir lagerten die Boote für den nächsten Tag am Philadelphia auf einem öffentlichen Rastplatz. Nach unserer Einschätzung war das Risiko –trotz des morgigen Herrentages (1.Mai)- gering.

Der Landdienst brachte uns mit den Autos zurück nach Köthen. Kaffeetrinken war angesagt. Weil es relativ spät war, durften wir erst hinterher duschen . Das erfreute wiederum die schon anfangs erwähnten Köthener Mücken.

Berndt Wittjen, Manfred Scheer und Klaus Böhlke überbrückten die Zeit bis zur abendlichen Kohlroulade mit Skatspielen. Um 22.15 Uhr war dann Schluss, nachdem Hans Jäh für die Getränkebestellungen „last order“ ausgerufen hatte.