Die Mygg unterwegs - 2007  
Nach der Wanderfahrt 2007 auf Unstrut Saale und Elbe liessen wir die Mygg in Tangermünde beim dortigen Ruderklub liegen. Wie es mit ihr weitergeht, welche Etappen mit welchen Ruderinnen und Ruderern sie dann hinter sich bringt - das lest Ihr hier:  
   
1. Etappe am 9. Juni 2007   Chronist Thomas Sciborski

Am 09.06., einem Samstag, trafen sich die Bb Jörg Goldbeck, Hans Jäh, Bernd Krüger, Thomas Sciborski und Gert Weber um 7 Uhr mehr oder minder ausgeschlafen am Bootshaus, um die erste Etappe zur Heimführung der Mygg anzugehen.

Gegen 08.30 trafen wir in Tangermünde auf dem Gelände des Tangermünder Ruderclubs ein und konnten mit Erleichterung feststellen, dass sich nur wenig Wasser in der Mygg befand, das wir mit einer eleganten Drehung ohne allzu viel Mühe ausschütten konnten. Gegen 9 Uhr konnten wir bei strahlendem Sonnenschein loslegen. Es ruderten bis zum ersten Zwischenstopp auf Position 3 als Schlagmann Bernd, auf 2 ich (Thomas) und auf 1 als Kommandant mit seinem bewährten Rückspiegel Hans.

Ich war überrascht, dass auf der Elbe so wenig Verkehr herrschte. Wir überholten lediglich
2 Kanuten, die kurz vor uns ebenfalls vom Gelände des Tangermünder Ruderclubs mit Fernziel Hamburg gestartet waren und wurden selbst nur von 2 Motoryachten überholt. Die Elbe führte Niedrigwasser, ca. 1 Meter unter dem normalen Pegelstand. Vielleicht war das der Grund, warum die Elbe fast nur uns gehörte. Der Fluss floss ruhig dahin, das Wetter war schon am Morgen angenehm warm, es gab kaum Wind. Idealere Bedingungen gibt es also nicht. Die Elbe kam mir im Gegensatz zum Rhein, an dessen Ufern ich in den letzten Jahren öfter Radtouren gemacht hatte, ziemlich naturbelassen vor. Auf der Strecke unserer heutigen Etappe fließt sie durch eine idyllische Auen- und Wiesenlandschaft, die nur sehr dünn besiedelt ist. An den Ufern saßen Angler, wir sahen viele Fischreiher und Kiebitze. Wir wurden den ganzen Vormittag über von Kuckucksrufen begleitet, die allerdings manchmal als schräger Dialekt einer Waldohreule interpretiert wurden. Gegen 12 Uhr landeten wir kurz unterhalb der Fähre von Sandau zum ersten Zwischenstopp des heutigen Tages an. Gert und Jörg hatten einen idealen Anlegeplatz zwischen 2 Buhnen für uns erkundet.

Hans und Bernd blieben im Boot, auf Position 2 wurde ich von Jörg abgelöst. Ich bildete also jetzt mit Gert das Landkommando, und wir sollten bei Gnevsdorf eine Anlegestelle in der Nähe eines Anlegers mit einer Kneipe gleich daneben für den zweiten Zwischenstopp erkunden. In Havelberg überquerten wir die Havel, bogen nach links ab und folgten der Havel bei ihren letzten Kilometern zur Elbe.

Havelberg ist ein sehr schönes Städtchen, und die ganze Gegend mit ihren Auen, Wiesen und Wäldern werde ich mir wohl noch mal genauer vom Fahrrad aus ankucken. Ich hoffe nur, dass es dann nicht zu kalt sein wird.

Gnevsdorf besteht aus insgesamt vielleicht nur 10 Häusern. Wir hielten am Ortsausgang an und hielten vom Deich aus Ausschau nach einem Anleger mit Kneipe, konnten aber keine entsprechende Örtlichkeit ausfindig machen. Also schlug ich Gert vor 2 km weiter ins nächste Dorf namens Rühstädt zu fahren und sich dort mal umzuschauen. Rühstädt ist sozusagen die Storchenhauptstadt von Brandenburg, es liegt aber etwas abseits von der Elbe, einen Anleger gab es hier also erst recht nicht, dafür aber ein einladendes Wirtshaus namens Storchennest. Was also tun? Ich rief Bernd an, wenn es mir auch leid tat beim Rudern stören zu müssen. Er erklärte mir nochmals, dass sich ein Stück oberhalb von Gnevsdorf ein Anleger bei einer Beobachtungsstation des NaBu befände. Also fuhren wir zurück, durchquerten Gnevsdorf und bogen in den erst besten Weg nach rechts Richtung Deich ein. Dieser Weg führte zu einer Schleusenanlage. Bei näherem Hinsehen erwies sich die Schleuse als 1 der 3 Havelsperrwerke, von dem die untere Havel noch ca. 200 Meter bis zur Elbe zu fließen hat. Auf dem linken Ufer der Havel, also auf der Landspitze zwischen Havel und Elbe sahen wir einen hölzernen Beobachtungsturm mit einigen Infotafeln. Hier mussten wir also richtig sein.Beim Überqueren des Sperrwerks sahen wir rechts eine Fischtreppe. In Rühstädt war mir ein Hinweisschild auf ein NaBu-Informationszentrum über das Biosphärenreservat "Mecklenburgisches Unteres Elbtal" aufgefallen. Diese Fischtreppe am Sperrwerk ging bestimmt auch auf eine Initiative des NaBu zurück.

Auf der Suche nach einem geeigneten Anlegeplatz an der Elbe folgten wir erst einem Weg, der zu einer Pferdekoppel führte, und schlugen uns dann querfeldein unter dem Elektrozaun der Pferdekoppel hin- und herkriechend zur Elbe durch. Nach längerem Hinsehen entdeckten wir zwischen zwei Buhnen eine ruhige Bucht ohne Morast mit trockenem Sand als idealen Anleger, doch sie war schon besetzt. Ein Storchenpaar schaute uns überrascht an. Als wir näher kamen, staksten sie los und schwangen sich von dannen. Wir setzten uns auf eine Buhne und warteten auf die Ruderer.

Mittlerweile war es richtig heiß geworden und mir rann der Schweiß, obwohl ich einfach nur auf der Buhne saß. Ich überlegte, ob ich angesichts des kleinen Strandes zwischen den Buhnen nicht mal kurz ins Wasser springen sollte. Aber Gert erzählte sehr interessant, auf welch abenteuerlichen Pfaden er als Kind um das Kriegsende herum aus Pommern nach Berlin gekommen war. Dann sahen wir einen Binnenschiffer die Elbe runterfahren und kurz danach die Mygg.

Es war jetzt kurz nach 14 Uhr, und die Hitze hatte den Ruderern auf dem zweiten Teilstück ordentlich zu schaffen gemacht. Es wurde beratschlagt, wie mit dem angebrochenen Tag weiter zu verfahren wäre. Es wurden die Alternativen diskutiert, die Mygg entweder hier liegen zu lassen oder noch weiter bis Wittenberge zu rudern. Wir zogen die Mygg erst einmal an Land und beschlossen zum Mittagessen nach Rühstädt ins "Storchennest" zu fahren. Als wir das Sperrwerk überquerten, sahen wir, wie sich eine Karawane von Wollhandkrabben, wie wir aus sachkundigem Munde erfuhren, über die Fischtreppe Havel aufwärts bewegte. Die Krebse wurden von einer Möwe neugierig beäugt, sie schien aber nicht sehr interessiert.

Im "Storchennest" lief die Bedienung nur sehr schleppend, und das trotz der halb verdursteten Bb.s. Ich bestellte mir als Vorspeise eine Soljanka und auch meine Hauptspeise, eine Schweinshaxe, kam zuerst, so dass mir nichts anderes übrig blieb, als vor den darbenden Kameraden schon mal zu kauen. Die 4 Berliner Lebern kamen schließlich auch, waren den 4 Berliner Gaumen allerdings eine Idee zu zäh. Das Essen wurde von anheimelndem Storchengeklapper untermalt.

Da Hans und ich noch Lust hatten weiter zu rudern, ruderten wir zu zweit gegen 16.30 Uhr nach Wittenberge weiter. An der Fischtreppe marschierten die Volantkrebse immer noch und auf der Landspitze zwischen Elbe und Havel lauerte ein Storchenpaar an einem Tümpel auf Beute. Ob es wohl das selbe Pärchen wie heute Mittag war? Jedenfalls ließ es sich diesmal nicht stören.

Bei den ersten Schlägen konnte ich mal wieder feststellen, dass plenus venter non sportet libenter: Ich brauchte einige Schläge, um meine linke Schulter gerade zu rudern und um richtig aufzudrehen. Außerdem war beim Vorrollen besagter voller Bauch die erste halbe Stunde manchmal im Wege.

Die Elbe wurde jetzt, nachdem sie die Havel geschluckt hatte, merklich breiter, Auf den Stränden zwischen den Buhnen sahen wir hin und wieder Leute liegen oder planschen. Nach einer Stunde zogen Wolken auf, und es fielen ein paar Tropfen Regen. Gar nicht mal so weit weg donnerte es; Hans sah in seinem Rückspiegel Blitze. Was sollten wir tun? Wir beschlossen einfach weiter zu rudern. Sollten wir tatsächlich mitten in ein Gewitter kommen, könnten wir immer noch in einer Bucht in den Auenwäldern am rechten Elbufer Zuflucht suchen. Aber wir hatten Glück. Das Gewitter zog ab, und wir konnten nach Wittenberge ungefähr 2 Stunden lang mit kurzen Trinkpausen durchrudern.

Das Landkommando hatte beim Wittenberger Bootsklub im Hafen in der Nähe des Campingplatzes einen Anlege- und den nächsten Liegeplatz für die Mygg organisiert. Neben der Anlegestelle trieb der Kadaver von etwas Hundeähnlichem, davor der eines Zanders, von dem nur der Kopf mit Gräten dran übrig geblieben war. Beim Rausheben des Bootes rutschte ich barfuß wie ich war auf der glitschigen steilen Anlegestelle in Richtung des abgenagten Zanders, doch Bernd konnte mich vor dem mir drohenden Unbill bewahren, indem er mich, mit der rechten Hand das Boot haltend, mit der linken Hand auf festen Grund zog.

Kilometerbilanz der ersten Etappe: 67 km

Gegen 20.30 waren wir wieder am Bootshaus in Spandau. Trotz der 4 Liter Apfelsaftschorle, die ich getrunken hatte, hatte ich einen Höllendurst. Ich musste mir zu Hause noch 2 Liter Apfelsaftschorle mischen, bevor ich mir als Schlummertrunk 2 Budweiser gönnen konnte.

 

2. Etappe am 30. Juni 2007   Chronist Thomas Sciborski

Zur zweiten Etappe trafen sich am 30.06., wieder einem Samstag, die Bb Jörg Goldbeck, Hans Jäh, Detlev Schramm, Thomas Sciborski und Gerd Weber - zumindest für meinen (Thomas) Teil schon mehr ausgeschlafen – um 8 Uhr am Bootshaus zur Abfahrt nach Wittenberg mit Flagge und Schlauch diesmal im Gepäck. Zunächst gingen die Blicke sorgenvoll gen Himmel, denn dieser war grau verhangen und es regnete. Aber ab Perleberg klarte es auf, und es stellte sich mit Gerds sich leerender Tüte leckerer Bounty-Riegeln langsam aber sicher Vorfreude auf das Rudern ein. In Wittenberge fanden Jörg und Gerd ohne Probleme den Liegeplatz der Mygg wieder. Die Mygg war aufgrund des Regens während der letzten 3 Wochen randvoll mit Wasser. So konnte ich mich anschaulich mit dem Prinzip der kommunizierenden Röhren vertraut machen: Man nehme den mitgebrachten Schlauch, fülle ihn mit Wasser, lege das eine Ende ohne Luft hineinzulassen ins Boot und lege das andere Ende etwas tiefer auf die Erde, und schon läuft das Wasser von ganz alleine aus dem Boot heraus. Um diesen Prozess ein wenig zu beschleunigen, halfen wir mit Eimer und Schöpfkelle nach. Detlev brach es fast das Herz, als er sah, wie an manchen Stellen der Mygg der Lack abblätterte und das Holz gearbeitet hatte. Er hatte aber sogleich die geniale Idee, wie dem künftig vorzubeugen wäre: Er beauftragte das Landkommando in einem nächst gelegenen Baumarkt Kanthölzer mit den entsprechenden Maßen zu besorgen, um die Mygg künftig kieloben frei liegend trocken zu lagern.

Gegen 11 Uhr ging es dann endlich los: Auf 3 als Schlagmann Detlev, ich auf 2 und Hans als erfahrener Lenker auf 1. Hans hatte zunächst Probleme mit seinem Steuerbordskull, das wegen der Feuchtigkeit am Griff aufgerissen war, aber er gewöhnte sich recht schnell an dieses doch nicht allzu gravierende Handicap. Die Temperatur lag sehr angenehm bei ca. 20 Grad, nur hin wieder fielen ein paar Regentropfen, die wir aber kaum spürten. Nur der Gegenwind war anfangs, bis wir uns dran gewöhnt hatten, ein wenig lästig. Sobald die Elbe eine Biegung nach Nordosten machte, hatten wir aber angenehmen Schiebewind. Alles in allem waren die Bedingungen also ganz gut. Zum ersten Mal habe ich auf der heutigen Etappe das Phänomen des Schiebe- und Gegenwindes so richtig wahr genommen. Ich finde es ziemlich erstaunlich, dass nicht nur beim Rad Fahren sondern auch beim Rudern, wo die Geschwindigkeit doch wesentlich geringer ist, der Wind eine so wichtige Rolle spielt. Aber es kommt auch beim Wind auf die entsprechende Menge an, wovon später noch zu berichten sein wird.

Die Landschaft auf beiden Ufern der Elbe war die von der ersten Etappe her schon wohl bekannte idyllische, kaum besiedelte Auenlandschaft. Vom Ufer beobachteten uns Kormorane, Fischreiher, Langbeinenten und manch andere uns ornithologischen Banausen weniger bekannte Vogelarten. Es kam uns nur ein einziger mit Schrott beladener Binnenschiffer mit Heimathafen Berlin entgegen.

Nach anderthalb Stunden näherten wir uns nach 15 km Cumlosen, wo der erste Wechsel vorgesehen war. Vor lauter Witze Erzählen hätten wir fast die Einfahrt in die Cumlosener Marina verpasst. Ich konnte feststellen, dass es eine sehr wacklige Angelegenheit ist, an einem hoch gelegenen Steg eines Yachthafens in ein Ruderboot ein- und auszusteigen. Detlev machte auf der Position des Schlagmannes Jörg Platz. Das Landkommando hatte gute Arbeit geleistet: Nicht nur der Anleger war gut gewählt, auch die Kanthölzer waren schon besorgt. Detlev war es zufrieden.

Weiter ging es 15 km von Cumlosen zum nächsten Wechsel nach Lenzen. Das Wetter wurde zusehends besser, die Sonne kam sogar ab und zu hervor. Von Wind war kaum etwas zu spüren. Kurz hinter Cumlosen, wischen Schnackenburg und Lauenburg bildete die Elbe ehemals die Deutsch-Deutsche Grenze. Am rechten Ufer sahen wir den einen und anderen ehemaligen Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen, am linken Ufer konnte man schon von Weiterm zwei rot-weiße Funktürme (Funkrelaisstelle Höhbeck) erkennen, wenn man sich leicht nach backbord umdrehte. Hans sagte, dass diese Türme 300 Meter hoch wären. Als wir uns der Einfahrt in den Yachthafen von Lenzen näherten und die Türme genau vor uns hatten, schätzte ich deren Höhe auf maximal 70-80 Meter. Die Einfahrt in den Hafen erwies sich als nicht ganz unproblematisch. Wir mussten erst die Fähre passieren lassen, die von Lenzen auf das linke Ufer übersetzte und eine rote Boje an der Hafeneinfahrt, die wir an steuerbord passieren mussten, scharf an backbord passierte. Der Yachthafen befand sich am Ende eines ca. 1 km langen Stichkanals, wo sich ein Bistro namens Hafen befand. Schön vorsichtig hangelten wir uns aus dem Boot auf den Steg. Zum Festzurren des Bootes fehlte jetzt die Leine, die wir daheim vergessen hatten. Wir konnten uns aber mit einem Fußriemen einer Fußbank und einem alten Schlauch, der am Steg lag, behelfen. Es war jetzt 14 Uhr und wir hatten, der eine mehr der andere noch mehr, Hunger. Detlev sagte, dass die Wirtsleute beim Feuerwehrumzug in Lenzen wären und erst in einer halben Stunde zurückkämen, so dass Hans erst einmal ein langes Gesicht machte. Aber die halbe Stunde war zum Glück nur eine sehr knappe halbe Stunde und das Essen kam zügig, nachdem wir bestellt hatten. Der Wirt teilte uns zu meiner großen Überraschung mit, dass die Funktürme gegenüber 300 Meter hoch sind, so dass Hans zufrieden seine Soljanka löffelte. Hans hatte mir kurz vor Lenzen bewiesen, dass man sich gut einer Schöpfkelle bedienen kann, wenn man mal muss (danach steuerbord auskippen, backbord spülen), so dass ich keine Bedenken hatte, mir zum Essen 2 große Bier zu bestellen, zumal Radeberger im Ausschank war. Apfelschorle hatte ich mir ja genug von zu Hause mitgebracht.

Gut gelaunt stiegen wir gegen 15.30 Uhr wieder ins Boot, um die heutige Etappe mit noch ziemlich genau 20 km bis Dömitz zu Ende zu rudern. Detlev hatte von Jörg wieder die Position als Schlagmann übernommen. Von der Fähre hatten wir bei der Einfahrt auf die Elbe diesmal nichts zu befürchten, denn sie hatte gerade am linken Ufer angelegt. Bei Lenzen macht die Elbe eine Biegung nach Südwesten und wir fragten uns, was denn nun los ist. Wir hatten plötzlich einen so starken Gegenwind, dass wir kaum noch vorwärts kamen. Fast halbe Meter hohe Wellen schwappten ins Boot. Bald waren wir von oben bis unten klitschenass, das Boot lief immer voller, so dass Detlev ein permanentes nicht sehr wohl temperiertes Fußbad nehmen musste. Was also tun? Hans rief das Landkommando an, das bereits in Dömitz auf uns wartete, und meldete, dass wir den nächsten Hafen, also Gorleben anlaufen wollten. Ich spürte einen mächtigen Druck auf der Blase und bediente mich anlässlich der Pause der Schöpfkelle. Trotz des Druckes tat sich aber in der für mich für diese Verrichtung ungewohnten Sitzposition nichts. Die 3 km bis Gorleben musst du dann eben noch irgendwie durchhalten, sagte ich mir und verfluchte das Bier. Zu allem Überfluss wehte es mir bei einer heftigen Windböe meine spanische Armeemütze in die Elbe. Mir blutete das Herz und ich vergaß sogar einen Moment meine Blase. Diese Mütze hatte ich vor 10 Jahren in Mostar bei einer der berüchtigten Cuba-Libre-Feten zur Festigung der Deutsch-Spanischen Waffenbrüderschaft beim SFOR-Einsatz in Bosnien von einem spanischen Kameraden gegen meine Feldmütze getauscht, und seitdem hatte sie mir auf all meinen Radtouren durch Europa treue Dienste geleistet. Jetzt ruht sie auf dem Grund der Elbe.

Wir waren erleichtert, als wir das Hinweisschild zum Yachthafen Gorleben erblickten. Zu meinem Entsetzen war aber nach der Einfahrt in den Hafenkanal von einem Hafen weit und breit noch nichts zu sehen. Deshalb musste ich kurz vor Erreichen des Ziels doch noch einmal zur Schöpfkelle greifen und feststellen, dass es doch laufen kann, wenn es nur richtig muss. An Land klärte mich Hans dann über meinen Fehler auf: Es gilt eben das Prinzip der kommunizierenden Röhren, das freie Schlauchende muss tiefer liegen, damit es ungehindert laufen kann. Das Landkommando hatte es aus Dömitz trotz der Entfernung noch vor uns nach Gorleben geschafft. Jörg holte beim Hafenmeister die Erlaubnis ein die Mygg zwischenlagern zu dürfen. Wir legten zuerst die Skulls und dann die Mygg kieloben auf die Kanthölzer, so dass bis zur nächsten Etappe alles in trockenen Tüchern sein wird. Auf der Elbe sind wir heute 39 km gerudert. Mit den Hafenrundfahrten kamen insgesamt 42 km zusammen.

Gegen 18.30 Uhr traten wir den Heimweg an. Wir überquerten bei Dömitz die Elbe und fuhren bei Ludwigslust auf die Autobahn. Gegen 20.30 Uhr waren wir am Bootshaus.

 

 

 

Weiter zur 3. Etappe