Chronik vom 8.05.2010

Chronist: Jörg Goldbeck

 

 
   

Auftakt

 

Na, das war ja einmal etwa überraschend Neues. Die werten Bb.Bb. trafen sich zu dieser Wanderfahrt anno 2010 weder völlig verschlafen noch zu unanständig früher Zeit unter der Freybrücke ein, nein, diesmal war es zu passabler Zeit um 8.30 Uhr, dass der langjährige Wanderfahrtenleiter  der Wanderfahrten nach neuerer Zeitrechnung die willigen Ruderer ins Bootshaus gerufen hatte. Und noch ein Novum: Als ich als letzter pünktlich das Bootshaus betrat, saßen die werten Bb.Bb. schon mit vollem Munde beim Frühstück anstatt hinter dem Hänger im Auto irgendwohin zu fahren, denn die diesjährige Wanderfahrt startete  am Bootshaus und sollte eigentlich dort auch eine Woche später enden. Tempora mutantur et nos mutamur in illis kann man da nur sagen - die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen ( 'tschuldigung, soviel Bildung musste mal wieder sein zu Ehren unseres Vereinsnamens ).Und in der Tat. Seit der letzten Fahrt hatte sich nicht nur der Beginn geändert. Wir waren  eine noch kleinere Schar, denn einige Bb.Bb. waren krankheitsbedingt nicht in der Lage, an der Fahrt teilzunehmen. Und während der Fahrt gingen viele BbBb schon ziemlich früh ins Bett.  Aber so ist das mir fortschreitender Zeit eben.

Ich setzte mich dann also auch zu Tische: Der Wanderfahrtenpropst hatte  viele schöne Sachen besorgt und so konnte ich fröhlich und gestärkt meine erste Amtshandlung vornehmen: Frieder Busch, der uns schon solange auf den Wanderfahrten ein geschätzter Ruderknecht und interessanter Gesprächspartner ist, wurde im Januar auf der Jahreshauptversammlung in unseren Bund aufgenommen und ich durfte ihm heut die Flaggennadel überreichen, ihn auf die  Satzung und die Haus-und Ruderordnung verpflichten und damit die Aufnahme auch formal korrekt zum Ende führen.

Tja, und dann war es soweit. Noch schnell einige Brötchen und ein paar Schlucke Kaffee,  dann ging's  in die Boote bzw. in die Autos. Kaum waren wir nach der kanalisierten Havel auf freiem Gewässer, kawumm , da schlug die Geschichte mächtig durch die dünnen Planken der Gegenwart: Auf  Backbord fuhren wir an Schildhorn vorbei ( hier soll Jaxa von Köpenick auf der Flucht vor Albrecht dem Bären zu Pferd die Havel durchschwommen haben und dabei, weil sein Gott Triglaw offenbar versagte, den Christengott angerufen haben, der ihm dann auch beim Schwimmen half. So wurde Jaxa Christ mit allen unvermeidbaren Folgen... ), auf Steuerbord sahen wir die malerische Villa Lemm ( Villa des Schuhputzfabrikanten Otto Lemm, nach dem Krieg Sitz des britischen Stadtkommandanten, seit 1995 Privatvilla des Industriellen Piepenbrock ),

Villa Lemm

      dann schauten wir - wieder backbords - auf den Grunewaldturm (früher Kaiser-Wilhelm-Turm zur Erinnerung an den ersten Kaiser Wilhelm, der mit dem Bart und dem ollen Bismarck, nicht sein vermaledeiter Enkel Wilhelm II. ).

                                                                                                         Grunewaldturm

                                                                                                             

Die folgende Strecke gewährte uns für einen Augenblick Ruhe vor dem Zugriff der Geschichte. Bei fürs Rudern ziemlich guten Wetter ging's nach Schwanenwerder und mit der gewohnten Vorsicht aber mit Karacho durchs Nadelöhr in den großen Wannsee.

Und was wartete da? Richtig wieder die Geschichte. Zunächst erinnerte sie uns an heitere Seiten: Backbord zeigte sich das Strandbad Wannsee, seit 1907 Familienbad für die Berliner und heute wieder nach Jahren des Verfalls in einem passablen Zustand.                                                                                            

          Strandbad Wannsee

  Aber auf der Steuerbordseite zeigte uns Klio die dummen und furchtbaren  Zeugnisse menschlicher Taten und Ideen.  Wir blickten auf den Flensburger Löwen, eine Bronzeskulptur,  die nach einem  Sieg der Dänen 1850  über die  Schleswig-Holsteiner als Siegeszeichen ( der Löwe,  nicht die Robbe oder das Walross  ist merkwürdigerweise das Wappentier der Dänemarks )  in Flensburg aufgestellt, dann aber nach dem Sieg 1864 Preußen-Österreichs über die Dänen abmontiert und nach Berlin verfrachtet und am Wannsee aufgestellt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Original auf Bitten der dänischen Regierung nach Kopenhagen verfrachtet, wo es heute noch steht. Am Wannsee steht eine Kopie und so ist wieder der Friede hergestellt.

 

   Flensburger Löwe

  

Das Bild zeigt die Demontage des Löwen in Flensburg 1864. Die  Unterschrift diesmal in deutscher Hybris: Übermut tut selten gut.

 

Direkt neben dem Löwen befindet sich die Villa, in der unter der Federführung Heydrichs mit der Beteiligung von Reichsbehörden und Parteidienststellen am 20. Januar 1942 die Ermordung der europäischen Juden beschlossen wurde.

                                                                                         Haus der Wannsee-Konferenz

An solch grauslicher Stätte fuhren wir dann  doch lieber     

schnell vorbei in den Kleinen Wannsee, wo wir dann beim Ruderclub Arkona zur ersten Pause  anlegten. Der Wechsel ging schnell vonstatten und schon fuhren wir durch den Pohlesee, den Stölpchensee in den Griebnitzsee.

Das Wetter war jetzt sehr freundlich, die Landschaft brandenburgisch lieblich mit bewaldetem Ufer auf der einen Seite und prächtigen Villen auf der anderen Uferseite. Auch hier gäbe es Historisches zu betrachten und zu bemerken. Aber darauf verzichte ich jetzt lieber, um die geneigte Leserschaft nicht noch mehr mir Geschichte und Sehenswürdigkeiten  zu quälen. Zwei Dinge sind aber dennoch zu bemerken. Am Ausgang des Griebnitzsees sahen wir auf der Backbordseite das Schloss Babelsberg, das auf Wunsch von Prinz Wilhelm und seiner Frau Augusta ( Prinz Wilhelm ließ 1849 die versprengten restlichen Revolutionäre von 1848 zusammenschießen und erhielt deshalb den schönen Spitznamen 'Kartätschenprinz'. 1859 wurde er Prinzregent von Preußen, dann 1861 König und schließlich Deutscher Kaiser, eben jener Kaiser, für den der Grunewaldturm erbaut wurde. ) von Schinkel und Persius im neogotischen Stil erbaut wurde.  In diesem Schloss fand übrigens die entscheidende Unterredung zwischen Bismarck und König Wilhelm statt, die  Wilhelm schließlich Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten ernennen ließ - eine entscheidende politische Wende für Preußen und letztendlich für ganz Deutschland. 

        Schloss Babelsberg                           Glienicker Brücke, Brücke der Einheit

                             

Der poltische Zusammenhang der beiden abgebildeten Bauwerke wird so bei näherer Überlegung ziemlich deutlich. Die Geschichte hat es so gewollt.

Ich erspare es Euch, nun mich auch noch mit der Geschichte Potsdams zu beschäftigen. Aber immerhin sei auf den Neubau des Hans-Otto-Theaters hingewiesen, das nach dem

      Hans - Otto - Theater

Vorbild der Oper von Sydney gebaut und 2006 am Ufer des Tiefen Sees eröffnet wurde.

Die bisher zurückgelegte Strecke zeigte mir wieder einmal: unsere Wanderfahrten sind nicht nur gut für die körperliche Ertüchtigung sondern auch für die kulturelle Erneuerung und Auffrischung. Doch ganz schön, oder?

Doch damit endgültig zurück zum Rudern. Bb. Metz hatte uns zu Beginn verkündet, dass wir ca. 35 km bis Werder zurücklegen sollten. Und das erwies sich auch als eine angenehme Strecke. Losgerudert wurde um 9.15 Uhr, Arkona erreichten wir um 10.30 Uhr,  beim Potsdamer Ruderverein am Templiner See legten wir zur Mittagszeit an. Und da bot sich dann im hübschen Restaurant ein kleiner Imbiß an, den alle sehr genossen, wobei  Bb.Weber  sein Gericht erst nach liebevoller Beratung durch seine Tischnachbarn auf der Speisekarte fand.

Nach etwa einer Stunde ging's dann auf die letzte Etappe nach Werder, das die Ruderer gegen 15 Uhr erreichten. Die Anlegestelle beim Ruderklub Werder war wie für uns gemacht, so dass die Boote schnell aus dem Wasser gehoben und auf einer passenden Wiese ablegt waren. Für die Besichtigung von Werder blieb leider keine Zeit. Immerhin schwärmte Bb. Jäh vom im Gebiet um Werder erzeugten Obstwein, den es in einem kleinen Restaurant in Petzow zu erwerben gäbe.                                         

                                           Baumblüte in Werder

                                           

Nach einer etwas längeren Fahrt durch Brandenburger Landschaften und Städtchen erreichten wir unser diesmal einziges Quartier, ein kleines Landhotel im Dorf Radewege am Beetzsee bei Brandenburg.

Das Hotel bot uns freundliche gestaltete Zimmer, die Bedienung war nett und vor allem frozzelresistent, was die geschätzten Bb.Bb. auch sofort ausprobierten.

Am Abend gab es dann ein zünftiges Essen: Kasseler mit Sauerkraut, vom Chef persönlich zubereitet und schmackhaft. So waren wir es den sehr zufrieden, was sich auch darin ausdrückte, dass wir bei Bier und Wein den Rest des Abends mit heftigen Diskussionen über die Finanzkrise, Griechenland, Verfassungsfragen und Axels Abenteuer in China verbrachten. ARG Wanderfahrten bilden eben umfassend.

Und darum und weil wir alle den Text nicht wussten:

 

 

               Fritze Bollmann

Zu Brandenburg uff m Beetzsee
Ja da liegt ein Äppelkahn
|: Und darin sitzt Fritze Bollmann
Mit seinem Angelkram :|

2. Fritze Bollmann wollte angeln
Doch die Angel fiel ihm rin
|: Fritze wollt se wieder langeln,
Doch da fiel er selber rin :|

3. Fritze Bollmann rief um Hilfe,
Liebe Leute rettet mir,
|: Denn ick bin ja Fritze Bollmann
Aus der Altstadt der Barbier :|

4. Und die Angel ward gerettet,
Fritze Bollmann der ersoff
|: Und seitdem jeht Fritze Bollmann
Uffn Beetzsee nich mehr ruff :|

5. Fritze Bollmann kam in Himmel
Lieber Petrus laß mir durch,
|: Denn ick bin ja Fritze Bollmann
Der Barbier aus Brandenburg :|

6. Und der Petrus hat Erbarmen
Und der Petrus ließ ihn rin,
|: Ei Du kannst mir gleich balbieren,
Komm mal her und seif´ mir in :|

7. Fritze Bollmann der balbierte,
Petrus schrie: Oh Schreck! Oh Graus!
|: Tust mir schrecklich massakrieren,
Dett hält ja keen Deubel aus :|

8. Uff der großen Himmelsleiter
Kannste wieder runterjeh´ n
|: Kratz mal drunten feste weiter,
Ick laß mir nen Vollbart steh´n :|

 

 

 

Wanderfahrt 2010- Übersicht